Völlig unzureichendes Angebot - Verbindliches Streikvotum gestartet
In der 3. Verhandlungsrunde, nach insgesamt fünf Verhandlungstagen, hat sich der Konzern nun endlich entschieden, ein Angebot auf den Tisch zu legen.
So sieht das Angebot des Konzerns aus:
• 2026: Eine Einmalzahlung in Höhe von 1,8 Prozent für alle Beschäftigten, außer bei der Deutschen Lufthansa AG/Lufthansa Airline
• Zum 01.01.2027:
• Eine Erhöhung der Vergütungen um 2 Prozent für alle Beschäftigten, außer bei der Deutschen Lufthansa AG/Lufthansa Airline
• Eine Einmalzahlung in Höhe von 2 Prozent für alle Beschäftigten der Deutschen Lufthansa AG
• Gesprächsbereitschaft zur Verbesserung des Systems zur regelmäßigen Vergütungsentwicklung in den Vergütungsgruppen 4D, L, N2 und V.
• Laufzeit 29 Monate
Kein Angebot zu:
• Ausgliederungsschutz für die Stationen der DLH
• Aufwertung der produktiven Tätigkeiten ohne Absenkung der Endwerte bei der LHT. Der Arbeitgeber beharrt weiterhin auf die Absenkung der Vergütungsendwerte für Produktion & Administration
• Schnellere Stufensteigerungen bei der LHT
• Einführung einer L/T-Zulage bei der DLH
• Verbesserungen in der zweiten Tarifschiene bei der LCAG
• Überführung der LTLS-Leistungszulage ins Grundgehalt
• Allen weiteren Forderungen
Bewertung der Konzerntarifkommission
Als Tarifkommission lehnen wir dieses Angebot ab. Es würde einen Reallohnverlust über die lange Laufzeit des Tarifvertrages für alle Kolleginnen und Kollegen bedeuten und das, obwohl die Mehrzahl der Unternehmen der Konzernklammer gute Gewinne erwirtschaften. Am Ende hätten wir alle real weniger in der Tasche als heute. Denn Einmalzahlungen sind kein Mittel, um dauerhaft wirkende Preissteigerungen / Inflation aufzufangen. Im Gegenteil: Sie verpuffen. Eine Spaltung zwischen der DLH, die noch weniger bekommen soll, und allen anderen durch einen nachhaltig so großen Unterschied der Erhöhung lehnen wir ebenfalls ab.
Obwohl wir die letzten Tage immer wieder auf Einzelunternehmensebene zu den unternehmensspezifischen Sonderforderungen in Sondierungen ausgelotet haben, ob sich etwas bewegen könnte, macht der Konzern zu all diesen Punkten kein Angebot. Ob Aufwertung der technischen Berufsbilder, Abschaffung der zweiten Cargo-Tarifschiene oder Ausgliederungsschutz der Stationen - zu diesen Forderungen gibt es nach wie vor kein Angebot.
Das können wir nicht akzeptieren. Eine Ausgliederung der Stationen würde die Durchsetzungskraft des gesamten Lufthansa Bodens erheblich schwächen und könnte das Ende der Konzernklammer, von der von Hamburg bis München alle profitieren, einleiten. Deshalb gilt es, auch die Sonderforderungen gemeinsam und geschlossen durchzusetzen.
Wie geht es jetzt weiter?
Der Konzern hat auf eure hohe Streikbereitschaft reagiert. Das Angebot ist zwar noch überhaupt nicht akzeptabel, aber es zeigt, dass ihr den Arbeitgeber durch euren Druck bewegen könnt.
Das Unternehmen war jedoch nicht bereit, zu einem vernünftigen Tarifergebnis zu kommen. Die Arbeitgeberseite lässt aktuell offen, ob sie sich noch bewegen wird. Sie testen aus, ob ihr weiterhin geschlossen streikbereit seid.
Deshalb gilt es jetzt den Druck zu erhöhen und Geschlossenheit zu zeigen. Um den Arbeitgeber zu bewegen, braucht ihr eine hohe Streikbereitschaft.
Daher starten wir jetzt das "Verbindliche Streikvotum".
In der letzten Rückkopplung haben wir euch gefragt, ob ihr streikbereit seid - mit einem eindeutigen Ergebnis. Nun gibt es ein Angebot seitens Lufthansa und deswegen fragen wir euch erneut.
Um die Streikstärke nach diesem neuen Angebot festzustellen, werden alle Kolleginnen und Kollegen in der jetzt startenden Rückkopplung zum "Verbindlichen Streikvotum" befragt. Das "Verbindliche Streikvotum" funktioniert ähnlich einer Urabstimmung, nur mit dem Unterschied, dass wir auch explizit alle Nichtmitglieder befragen werden. Mit der Teilnahme am "Verbindlichen Streikvotum" teilt ihr mit, dass ihr streikbereit seid.
Sobald mehr als 50 Prozent aller Kolleginnen und Kollegen aus den streikrelevanten Bereichen im Konzern am "Verbindlichen Streikvotum" teilgenommen haben, seid ihr verlässlich stark genug aufgestellt, um in den Konflikt und damit in Streiks eintreten zu können.
Das "Verbindliche Streikvotum" wird von euren Tarifbotschafter:innen durchgeführt und läuft vom 4. bis zum 18. März. Im Anschluss wird das Ergebnis veröffentlicht.
Parallel dazu stehen wir selbstverständlich bereit, um mit der Arbeitgeberseite an Lösungen zu arbeiten bzw. mögliche Lösungsoptionen in Sondierungen zu diskutieren.
Unserer Einschätzung nach wird sich die Arbeitgeberseite von alleine jedoch nicht mehr groß bewegen. Es braucht den Druck durch euch, um den Arbeitgeber zu besseren Angeboten zu bewegen.
Deshalb beteiligt euch zahlreich am "Verbindlichen Streikvotum", stärkt euch gegenseitig und werdet ver.di Mitglied, damit ihr gut aufgestellt seid für die nächsten Wochen.