Vereinigung Luftfahrt e.V.
01.12.2020

ver.di/VL Mitglieder stimmen zu

Ein Artikel aus dem VL Magazin Ausgabe 2020

Bei der Auszählung von ver.di zur Abstimmung über den „Tarifvertrag Corona“ haben sich über 70% der abstimmenden ver.di/VL Mitglieder für eine Zustimmung entschieden. Das ist eine wirklich gute Nachricht in diesen Zeiten.

Damit ist eine sehr große Gefahr für die Arbeitsplätze beim Bodenpersonal der Lufthansa abgewendet. Lufthansa ist also bis zum 31.12.2021 an eine Arbeitsplatzgarantie gebunden. Es werden allerdings auch Opfer verlangt: Neben dem Weihnachtsgeld für das Jahr 2020 fallen auch das Urlaubsgeld samt Zuschlägen und das Weihnachtsgeld 2021 weg.

Dank der ver.di/VL Tarifkommission wurden die Einschnitte aber so gewählt, dass sie nicht „auf Dauer“ wirken. Die Hingabe von Urlaubs- und Weihnachtsgeld senkt zwar den Jahresgesamtlohn im zweistelligen Prozentbereich, ist aber dann in den folgenden Jahren wieder auf altem Niveau. Somit also ein einmaliger Verzicht. Nicht, wie eventuell eine Streichung von Jahressteigerungen oder gar eine Absenkung der Lohntabelle, die ein dauerhafter Verzicht wären.

Eine ungleich höher einzuschätzende Tatsache ist aber, dass es nun einen echten Kündigungsschutz gibt. Mit sozialverträglichen Maßnahmen (ATZ, freiwillige Abfindungsprogramme) soll zusätzlich ein Personalabbau bewerkstelligt werden. Ein Vorgang, den man sich während den Spitzenzeiten der Coronakrise angesichts der mit Flugzeugen zugeparkten Landebahnen nicht vorstellen konnte.

Bedauerlicherweise kam es im Vorfeld zu diesem Kompromiss zu der kuriosen Aussage von Kritikern, dass das „Opfer“ viel zu gering wäre, um die Lufthansa zu retten. Deshalb könne man es auch gleich lassen. So etwas können nur Leute sagen, denen die Hitze in der Küche nur von der Dunstabzugshaube draußen bekannt ist. Eine noch „schrägere“ Argumentation ist mir noch nie begegnet.

Wobei hier offenbar vergessen wurde, dass man nicht allein mit der Kostenreduzierung des Bodenpersonals die LH überlebensfähig halten will und kann. Immerhin gibt es noch andere Beschäftigtengruppen, die ebenfalls ihren Beitrag geleistet haben oder noch zu leisten haben. Darüber hinaus laufen im Konzern eine Reihe von Einsparungsprogrammen und nicht zuletzt kann sich die Lufthansa noch auf eine erhebliche staatliche Unterstützung verlassen. Warum also sollte das Bodenpersonal nicht auch seinen Beitrag leisten (müssen)?

Noch ist aber die „Geschichte nicht vorbei“. Was passiert ab dem Januar 2022? Dann gibt’s kein Kurzarbeitergeld mehr. Wäre die Lufthansa ein Betrieb, der in der großen Mehrheit seiner Kunden lediglich deutsche Staatsbürger hätte, könnte man sagen: Im nächsten Jahr sind alle geimpft und der Betrieb läuft wieder. So ist es aber nicht. Zum einen sind die Lufthansakunden auf dem kompletten Erdball zu finden und zum anderen will der Staat seine 9 Milliarden Euro möglichst schnell wieder zurückhaben. Da die staatlichen Rettungsgelder mit einem enormen (fast schon Wucher-) Zins versehen sind, wird es eine ganze Weile dauern, bis der LH-Konzern wieder „in die schwarzen Zahlen“ fliegt.

Es wird also darum gehen, bis spätestens Dezember 2021 tarifliche Konzepte zu entwickeln um möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen den Betrieb der Lufthansa wieder profitabel zu machen. Von Wolfgang Mayrhuber stammt der Satz: „Ein Betrieb ohne Gewinne ist ein unsozialer Betrieb“. Solche Sätze werden zwar von allerlei Gutmenschen kritisiert, sind aber trotzdem richtig. Wie will man die hoffentlich wiederkommenden Lohnrunden begründen, wenn nicht mit den Profiten des Unternehmens?

Eine sehr große Verantwortung lastet also auf unseren Tarifkommissionen. Ich bin allerdings sicher, dass es mit Zuversicht, Mut und Durchsetzungsvermögen gelingen wird, im Jahr 2021 ein zukunftsfähiges tarifliches Modell zu erstellen.

Werner Zielina

zugestimmt Autor: Werner Zielina

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