Lufthansa Zwischenbericht 2026: Gute Nachfrage - schwieriges Umfeld. Was jetzt wichtig ist.
Der Zwischenbericht der Lufthansa Group für das erste Halbjahr 2026 zeigt ein widersprüchliches Bild. Die Nachfrage nach Flugreisen bleibt hoch, viele Flüge sind gut ausgelastet und insbesondere das Langstreckengeschäft entwickelt sich stabil. Dennoch ist das Ergebnis deutlich schlechter als im Vorjahr. Aus der Bewertung des Vorstandes sind die Hauptgründe: gestiegenen Treibstoffkosten, geopolitische Unsicherheiten und weitere externe wie interne Belastungen. Deshalb hat der Vorstand seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr gesenkt.
Für die Beschäftigten bedeutet das zunächst keine unmittelbaren Einschnitte. Das operative Geschäft läuft, die Nachfrage ist vorhanden und die Belegschaft leistet Tag für Tag einen entscheidenden Beitrag zum Unternehmenserfolg. Gleichzeitig ist jedoch zu erwarten, dass der wirtschaftliche Druck steigt, und das Management verstärkt auf Kosten und Produktivität schaut. Aktuell läuft das Personalabbauprogramm NewWays der Deutschen Lufthansa AG und zentralen Konzernbereichen, das bis zu 550 Vollzeitstellen abbauen soll. Es ist Teil des größeren Ziels, bis 2030 rund 4.000 Stellen – überwiegend in Verwaltung und Zentralfunktionen – abzubauen.
Gerade in einer solchen Situation kommt den Arbeitnehmervertreterinnen und Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat und Betriebsräten eine besondere Verantwortung zu. Ihre Aufgabe ist es, die wirtschaftliche Entwicklung kritisch zu begleiten und darauf zu achten, dass notwendige Maßnahmen nicht einseitig zulasten der Beschäftigten gehen. Die Vereinigung Luftfahrt wird unsere Kolleg:innen dabei aktiv unterstützen.
Dazu gehört, den Vorstand zu einer transparenten Darstellung der wirtschaftlichen Lage und der geplanten Maßnahmen anzuhalten. Ebenso wichtig ist die Frage, welche Auswirkungen Einsparprogramme auf Arbeitsplätze, Arbeitsbelastung, Qualifizierung und die Sicherheit des Flugbetriebs haben. Kurzfristige Kostensenkungen dürfen nicht dazu führen, dass Personal überlastet wird oder die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens leidet. Die Zusammenarbeit der Mitbestimmungsgremien (Betriebsräte und Aufsichtsräte) sollte entsprechen koordiniert und mit der Belegschaft kommuniziert werden.
Besondere Aufmerksamkeit verdient z.B. auch die Integration der ITA Airways. Synergien können wirtschaftlich sinnvoll sein, sie dürfen aber nicht dazu führen, dass Mitbestimmungsrechte ausgehöhlt, Tarifstandards abgesenkt oder Standorte gegeneinander ausgespielt werden. Der Aufsichtsrat muss darauf achten, dass Veränderungen fair gestaltet werden und die Beschäftigten frühzeitig eingebunden werden.
Ein weiterer Schwerpunkt sollte auf den Investitionen in die Zukunft liegen. Moderne Flugzeuge, Digitalisierung, Weiterbildung und eine ausreichende Personalausstattung sind keine verzichtbaren Kosten, sondern Voraussetzungen für Wettbewerbsfähigkeit und einen sicheren Flugbetrieb. Gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten entscheidet sich, ob ein Unternehmen nur kurzfristig spart oder langfristig erfolgreich bleibt.
Der Zwischenbericht macht deutlich: Die aktuellen Belastungen sind vor allem auf externe Faktoren wie geopolitische Krisen und hohe Treibstoffpreise zurückzuführen – nicht auf mangelnde Leistungsbereitschaft der Beschäftigten. Deshalb müssen Arbeitnehmervertreterinnen und Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat und Betriebsräten verhindern, dass die Belegschaft die Rechnung für externe Risiken bezahlen soll.
Die Aufgabe der Mitbestimmung ist gerade jetzt klar: wirtschaftliche Vernunft und die Interessen der Beschäftigten zusammenzubringen. Denn nachhaltiger Unternehmenserfolg entsteht nicht durch kurzfristige Einsparungen auf Kosten der Belegschaft, sondern durch eine starke, motivierte und qualifizierte Mannschaft, die auch in schwierigen Zeiten den Betrieb durch die Krise trägt. Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber immer noch wahr.
Mit solidarischen Grüßen Euer Vorstand der Vereinigung Luftfahrt