05.11.2018

Eine Zwiebel wird entblättert

Wer sich noch an die Vorstellung durch Herrn Weber erinnern kann, weiß was das Bild zu bedeuten hat. Für diejenigen, die die Vorstellung nicht erlebt hatten, sei erklärt: Das ist eine Zwiebel! Es war seine Vorstellung vom „Lufthansakosmos“: Im Zentrum der LH Flugbetrieb, darum herum die Satelliten der LH Betriebe.


Zwiebelringe © VL R. Bind

Die Aussage von Herrn Weber war damals, dass eine Lufthansa immer überleben wird.

Die Ringe stehen also, wie bei einer Zwiebel, für die einzelnen Unternehmen innerhalb des Konzerns.

Nach dem Abbau von 8.000 Mitarbeitern wurde auch die Lufthansa 1995 in einzelne Unternehmen zerlegt. Passage, Cargo, Technik, Systems, Condor und die LSG wurden als eigenständige Unternehmen geführt. Aber alle befanden sich noch unter dem Dach des Lufthansa Konzerns.

Die Logik die dahinter stand, musste jedem damals schon klar gewesen sein. Der Konzern wird für die Zerschlagung vorbereitet. Wer Geld bringt, darf eine zeit lang weiterleben. Wer nichts bringt: Weg damit.

Als eine der ersten Bereiche die verkauft wurden, waren Bürobedarf und Druckerei in Köln. Als nächstes wurden die Haushandwerker der LGM ausgelagert. Weg damit. Wird zum Fliegen nicht benötigt.

Norderstedt: Die Abrechnung von Tickets wurde nach Indien ausgelagert. Nachdem man festgestellt hat, dass hier richtig Geld verbrannt wird, hat man die Ticketbearbeitung wieder zurückgeholt. Hat aber nichts genützt - Norderstedt wurde trotzdem dicht gemacht. Weg damit.

Hier kann man sagen, dass es sich um Bereiche am äußersten Rand der Zwiebel handelte. Es kam der Gedanke bei den Mitarbeitern auf: Ich bin näher am Flugzeug - mir kann nichts passieren. die brauchen mich. Das ist und war schon immer ein Irrglauben.

Dann war die Condor dran. Teure Investitionen in neues Fluggerät und teure Tarifverträge veranlassten den Vorstand, die Condor zu verkaufen. Weg damit.

Danach stand Systems in Kelsterbach auf der Liste. Die Leistung für Software und EDV-Produkte kann ich mir einkaufen. Also. Weg damit.

Die Liste kann noch bedenkenlos weitergeführt werden, würde aber hier den Rahmen sprengen.

Auch innerhalb der verbliebenen Unternehmen das gleiche Bild: Auslagern, zerlegen und dann: Weg damit.

Der jetzige Passage-Vorstand hat nun die Idee, sich mit der Line-Maintenance einen Teil der Technik zurückzuholen. Weil er sie braucht, um besseren Zugriff zu haben oder warum auch immer. Die Mitarbeiter, die dann die Wartung der LH Flotte durchführen sollen, passen aber nicht in das Lohngefüge der LH. Hier wird man den Mitarbeitern einen „Rucksack“ verpassen, der über die Jahre dann abgeschmolzen wird. Jedenfalls wird es spannend, wie das ausgeht. Der Rest passt sich an oder: Weg damit.

Brötchen und sonstiges Essen werden auch nicht mehr soviel verbraucht. So etwas kann man überall zukaufen. Also LSG verkleinern und dann: Weg damit.

Fazit: Alles, was innerhalb des Konzerns wie oben beschrieben geschieht, ist die Freiheit des Unternehmers. Es nützt nichts dagegen zu schimpfen. Es bringt auch nichts, wenn in einigen Technik-Betrieben für eine weitere, andere Gewerkschaft Stimmung gemacht wird, wohl wissend, dass das gar nicht möglich ist. Kennt doch der DGB nur das Prinzip „Ein Betrieb – eine Gewerkschaft“. Also gerade nicht ver.di und IGM in einem Betrieb! Sicherlich macht die IGM gute Tarifverträge bei VW und in der Metallindustrie. Aber warum ist das so? Weil bei VW 96% der Mitarbeiter organisiert sind und zwar in EINER Gewerkschaft. Auch der Organisierungsgrad in der Metallindustrie ist sehr hoch. Hier sollte man sich mal beispielhaft an die eigene Nase greifen. Der Vorstand ist nur sich, dem Aktienkurs und den Anlegern verantwortlich. Die Mitarbeiter kommen darin, wenn überhaupt, erst später vor.

Man kann mit der Arbeit der Gewerkschaft unzufrieden sein. Dann muss man dagegen angehen und sich engagieren und organisieren, um intern Veränderungen zu erreichen. Sich umdrehen und der Gewerkschaft den Rücken zu zeigen ist genau das, was der Vorstand will. Die Mitarbeiter schwächen sich selbst und mit dem kleinen Häufchen Verbliebener und den vielen kleinen Pseudo-Gewerkschaftsgruppen kann er machen was er will.


Zwiebel Autor: Reinhard Bind
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