01.11.2016

Vorwort Schott 03 2016

​Liebe Mitglieder,

liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

ich begrüße Sie recht herzlich zu der Sommerausgabe 2016 unseres VL-Magazins.

In den vergangenen Ausgaben hatte ich in meinen Vorworten darauf hingewiesen, dass wir auch weiterhin mit großen Herausforderungen konfrontiert werden, die es gilt zum Wohle der betroffenen Lufthanseatinnen und Lufthanseaten zu meistern.


Frank Schott © VL

Die in der Lufthansa Technik bisher größte Aufgabe für die Betriebs- und Tarifpartner war es, die angedrohte Schließung des WT-Bereichs in Hamburg zu verhindern, die verbleibenden Arbeitsplätze dort langfristig zu sichern und den geplanten Abbau von 700 Stellen sozialverträglich zu regeln.

Angesichts des „Horror“-Forderungskatalogs der Geschäftsleitung, die hier massivste, nicht hinnehmbare Einschnitte in unsere Tarifverträge forderte und mit der kompletten Schließung von WT drohte, würden die Betriebs- und Tarifpartner dem nicht nachkommen, eine offensichtlich schier unmöglich zu lösende Aufgabe, gingen die Vorstellungen der Arbeitsgeberseite weit über das Zumutbare hinaus!

Trotzdem ist den Betriebs- und Tarifpartnern gelungen, eine Lösung zu finden, die hart an der Schmerzgrenze liegt und die unterschiedlichsten Reaktionen ausgelöst hat.

Da gibt es die eine Seite, die die Eingriffe in die bestehenden Tarifverträge und die teilweise Aussetzung der zum 01.01.2017 anstehenden tabellenwirksamen Erhöhung der Gehälter zwar nicht mit Jubel zur Kenntnis genommen hat, diese Maßnahme aber angesichts der Tatsache, dass somit die meisten Arbeitsplätze für ein paar weitere Jahre erhalten werden können, als verschmerzbar empfindet.

Die andere Seite wird nicht müde, den Abschluss heftig zu kritisieren. So beklagt die ver.di-Jugend in Hamburg, dass dieser Abschluss die Gewerkschaft schädigt, die Tarifverträge in unserem Konzern zerstören wird, die handelnden Personen sich haben unter Druck setzen lassen und die Gewerkschaft wesentlich kämpferischer, auch bereits vor den Verhandlungen, hätte auftreten müssen. Weiterhin wird die Möglichkeit der Sonderkündigung, wenn die vereinbarten Parameter eintreten, vehement abgelehnt.

Die Aussage, dass dieses Verhandlungsergebnis im Konzern als Blaupause angesehen wird und andere Bereiche mit ähnlich harten Forderungen und Drohungen um die Ecke kommen werden, hat sich bereits und wird sich auch weiterhin bewahrheiten.

Weiterhin gibt es Stimmen, die von einem Tabubruch reden und auch innerhalb unserer Vereinigung Luftfahrt wird dieses Ergebnis sehr kontrovers diskutiert.

Wer hat nun Recht, welche Argumente sind nun die Richtigen?

Ich persönlich denke, beide Seiten haben durchaus nachvollziehbare und verständliche Gründe, für oder gegen diesen umstrittenen Abschluss zu sein:

Es ist mit Sicherheit kein schönes Gefühl einen Arbeitsplatz zu haben, der seitens der Geschäftsleitung als unrentabel und somit als nicht mehr zu halten angesehen wird. Auch wenn die „Triebwerksbude“ bei einem Scheitern der Verhandlungen nicht von heute auf morgen geschlossen worden wäre, die betroffenen Kolleginnen und Kollegen wären in diesem Fall einer mehr als ungewissen Zukunft ausgesetzt worden. Eine Situation, die man sicherlich niemandem wünscht, denn die andauernde Sorge um die eigene Existenz kann sich erheblich negativ auf das eigene Wohlbefinden, die Gesundheit und das private Umfeld auswirken. Die Erkenntnis, dass der eigene Arbeitsplatz durch Verzicht und Einschnitte nunmehr, wenn auch nur für eine begrenzte Zeit, gesichert ist, wirkt für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen einer solchen persönlichen Entwicklung entgegen.

Richtig ist aber auch, dass die Einschnitte in unsere Tarifverträge mit Sicherheit dauerhaft erhalten und die Begehrlichkeiten der Vorstände in den einzelnen Geschäftsfeldern und Bereichen damit nur weiter geweckt werden. Was bei WT klappte, muss doch auch in anderen Betrieben funktionieren. Nur, dass die Arbeitsplätze dadurch nicht auf Dauer gesichert sind, dafür haben wir mittlerweile in unserem Lufthansa Konzern mehr als genügend Beispiele. Diesem Trend muss entgegengewirkt werden, denn sonst hat die Abwärtsspirale unserer Arbeitsbedingungen kein Ende. Unsere jetzigen Tarifverträge sind nicht vom Himmel gefallen, sondern wurden in vielen Jahren schwer erkämpft. Diese nun angesichts ständiger Drohungen seitens der Arbeitgeberseite dauerhaft aufzugeben und weiter auszuhöhlen, wäre in der Tat fatal.

Für die handelnden Kolleginnen und Kollegen in den Tarifkommissionen also eine durchaus verzwickte und schwierige Situation, denn hier müssen die persönlichen Schicksale der Betroffenen der Gewerkschafts- und Tarifpolitik gegenüber gestellt und sorgsam abgewogen werden.

Eine Aufgabe, um die man unsere Ehrenamtlichen mit Sicherheit nicht zu beneiden braucht.

Um diesen Spagat ausgewogen auf Dauer hinzubekommen, ist es daher absolut erforderlich, dass die Belegschaft nun endlich zusammenrückt, sich organisiert und sich gemeinsam den ständigen Forderungen der Arbeitgeberseite entgegen stellt!

Eine Zersplitterung im Betrieb ist nur der Geschäftsleitung dienlich!

Ja, die für WT getroffene Vereinbarung ist umstritten, aber wir sollten diesen Abschluss zum Anlass nehmen, miteinander konstruktiv zu diskutieren und auch zu streiten, um für die, mit Sicherheit kommenden, weiteren Forderungen der Geschäftsleitung gewappnet zu sein!

Aber auch unsere Vorstände sollten sich darüber klar sein, den Bogen nicht zu überspannen, denn wie sagt der alte Handwerkerspruch?: „Wenn man eine Schraube zu fest dreht, reißt sie am Ende ab!“

Ich wünsche Ihnen einen schönen Restsommer und eine ruhige Zeit.

Bleiben Sie streitbar.

Ihr

Frank Schott

Bundesvorsitzender


Vorwort 2016 Autor: Frank Schott

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