Vorwort 02/2026
Liebe Mitglieder, liebe Kolleginnen und Kollegen,
die Betriebsratswahlen bei LHT in Hamburg und bei DLH waren Ende April abgeschlossen. Die Konstituierung der verschiedenen Gremien zog sich bis in den Sommer. Wobei hier an manchen Stellen immer noch eine Konstituierung aussteht. Das schwächt die Mitbestimmung und ist nicht im Sinne und nicht zugunsten der Mitarbeitenden.
Die (europäische) Luftfahrt befindet sich im Wandel. Kaum eine andere Branche steht derzeit so deutlich zwischen wirtschaftlichem Druck, politischen Erwartungen, technologischem Fortschritt und der Frage, wie die Mobilität auch in der Zukunft sicher, wettbewerbsfähig und nachhaltig gestaltet werden kann. Airlines schließen sich zusammen, gehen Beteiligungen ein oder werden in größere Konzerngruppen integriert. Die Lufthansa Group ist exemplarisch für diese Entwicklung.
Was bedeutet denn mehr Größe für die Mitarbeitenden, die Arbeitsplätze, die Arbeitsbedingungen und die Mitbestimmung? Die Entwicklung der LH Group mit Swiss, Austrian, Brussels, Eurowings und weiteren Gesellschaften gehören zur Konzernstrategie. Die Beteiligung bzw. Integration von ITA Airways verfolgt weitere wirtschaftliche Ziele Der nächste große Schritt könnte TAP Air Portugal sein. Dabei sind dies nicht nur 2 weitere Airlines, sondern sie bringen starke Drehkreuze und Netzwerke mit. Was also für den Konzern sinnvoll sein kann, hat direkte Auswirkung auf die Beschäftigten. Zu den Chancen gehören, dass größere, wirtschaftlich stabile Konzerne Beschäftigung langfristig sichern können. Die Risiken dabei sind Kostendruck, der durch Effizienzsteigerung entsteht. Das heißt Doppelstrukturen entstehen und daraus wiederum Druck, Arbeitsplätze abzubauen, Tätigkeiten auszulagern und neue Standorte ins Leben zu rufen.
Außerdem können Beschäftigte verschiedener Gesellschaften zu unterschiedlichen Tarif – und Arbeitsbedingungen arbeiten. Es entsteht die Gefahr eines internen Wettbewerbs über Kosten und Arbeitsbedingungen. Es ist also wichtig, dass Effizienzgewinne nicht auf Kosten der Beschäftigten, sondern mit ihnen erreicht werden.
Betriebsräte und Gewerkschaften haben eine wichtige Rolle in dem System. Sie sind nicht Hinderung des Wachstums, sondern wichtig für die Ausgestaltung der Tarif- und Arbeitsstrukturen. Wir dürfen uns nicht gegeneinander ausspielen lassen – weder Standorte noch Berufsgruppen noch einzelne Konzerngesellschaften.
Entscheidend ist, dass mit den Zugewinnen zuverlässig „gute Arbeit“ verbunden bleibt. Letztendlich sind es nicht die Konzernstrukturen, die die Flugzeuge bewegen, Passagiere betreuen und den Betrieb am Laufen halten. Es sind die Beschäftigten in diesem Konzern. Menschen, deren berufliche Erfahrung, Kompetenz und Leidenschaft einen wesentlichen Teil der Leistungsfähigkeit in unserem „Geschäft“ ausmachen. Dazu gehören weiterhin attraktive Ausbildungswege und Perspektiven für den Nachwuchs.
Lufthansa arbeitet nicht nur an der strategischen Neuausrichtung, sondern reagiert auf die hohen Kerosinkosten, die geopolitischen Unsicherheiten und gestiegene operative Belastungen mit Kapazitätsanpassungen und Flottenmodernisierung und weiteren Senkungen der Verwaltungskosten. Das allen bekannte Programm „Turnaround“ steht für den wirtschaftlichen Veränderungsdruck. Dabei werden Strecken verändert, Flugzeuge ausgemustert, Prozesse neu organisiert. Das trifft nicht nur Bilanzen und Flugpläne, sondern auch Beschäftigte wie das fliegende Personal, das Bodenpersonal, die Technikerinnen und Techniker, die Administration.
Mit der im Juni beschlossenen neuen Luftfahrtstrategie hat die Bundesregierung einen wichtigen Rahmen gesetzt. Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und Sicherung des Luftfahrtstandortes Deutschland stehen im Vordergrund. Entscheidend wird es nun sein, dass aus den politischen Ankündigungen konkrete Verbesserungen resultieren. Die ressortübergreifende Luftfahrtstrategie berücksichtigt nun erstmals zivile sowie militärische Aspekte.
Lufthansa Technik hat da schon vorgegriffen. Nach einer langen Zeit der Betreuung von Regierungsflugzeugen hat Lufthansa Technik 2023 entschieden, unter der Marke Lufthansa Technik Defense, sich stärker in den Markt für Instandhaltung und Modifikation von Militärflugzeugen zu engagieren. Neuester Zugang im MRO-Portfolio der LHT ist seit Juli die Instandhaltung und Materialversorgung der neuen Schwerlasthubschrauber CH-47F Chinook der Bundeswehr.
Trotz aller Herausforderungen verfügt die deutsche Luftfahrt – mit Blick auf die Lufthansa Technik – über Potential. Sie kann international erfolgreich sein, wenn sie investiert, technologisch innovativ ist und global denkt. Das heißt Investitionen in Portugal und auf den Philippinen, die Weiterentwicklung von AeroSHARK, digitalen Wartungslösungen und neuen Kundenverträgen. Das alles ohne fremde Beteiligung/Investor!
Die entscheidende Frage ist, welche Rahmenbedingungen in Deutschland geschaffen werden, damit in Deutschland auch weiterhin Wertschöpfung, Innovation und qualifizierte Arbeitsplätze für qualifizierte Menschen eine Perspektive haben. Die Unternehmen müssen hier investieren und Wachsen können.
Immerhin wird schon an einer Stelle in die Zukunft investiert. Lufthansa Technik startet mit 287 neuen Talenten an verschiedenen Standorten in die Ausbildung. Die technische Ausbildung der Lufthansa startet in FRA und BER mit 59 Auszubildenden und in MUC mit 38 Auszubildenden. Ich wünsche allen einen guten Start in diesen neuen Abschnitt ihres Lebens. Vor allen Dingen viele neue und gute Erfahrungen!
Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Lektüre dieser Ausgabe.