11.12.2022

Vorwort VL Magazin Dezember 2022

Liebe Mitglieder, liebe Kolleginnen und liebe Kollegen,
und wieder geht ein Jahr dem Ende entgegen.
Diesmal vielleicht mit weniger Corona, dafür aber mit anderen Problemen, die nicht weniger weitgreifend sind. Heizung, Strom und alle sonstigen Lebenshaltungskosten sind teurer und trotz des guten Tarifabschlusses am Boden sind nicht alle Zukunftsängste abgebaut. Eine Rezession steht vor Deutschlands Türen. Dafür wird immer mehr geflogen. Die Grenzen sind bis auf wenige wieder geöffnet und alle Welt möchte wieder reisen.


Anke Heß 2019 © VL VL

Da kommt dann schon das erst Manko.

Den Wettbewerbsvorteil, gemeint sind die eigenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, den Lufthansa hatte, hat unsere Führung während Corona über die Maßen reduziert. Egal ob Boden-, Kabinen- oder Cockpitpersonal. Viele Kolleginnen und Kollegen haben die Abfindungsprogramme genutzt und haben uns verlassen. Der wirtschaftliche Druck, die Branche und die Pandemie haben zu diesen, nach meinem Dafürhalten, übertriebenen Maßnahmen geführt.

Dies trifft nicht nur Lufthansa, sondern die gesamte Sparte Luftfahrt. Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit ist eine Tugend der Luftfahrt, die aber Mangels Personal am Flughafen und auch der Airlines oft arg vernachlässigt wurde. Manche sagen sogar, diese Tugenden seien im Sommerchaos 2022 untergegangen. Das „Ramp Up“ war wohl für alle zu steil, außer für die, die Reisen wollten, denn denen war es schlichtweg egal, ob eine Airline genügend Personal hat – sie wollten endlich nach zwei Jahren wieder verreisen.

Leider ist das gute Image das Lufthansa voraushatte, an vielen Stellen verloren gegangen. Die erste 5 Star Airline in Europa ist passé, jetzt sind es nur noch 4 Sterne und da ich nicht weiß, wie weit runter noch gezählt wird, muss man sich, den negativen Pressenachrichten zufolge, eher darauf fokussieren, die 5 Sterne Richtung wieder einzuschlagen. Auch im Sinne aller Mitarbeitenden in der Technik und an Bord – und vor allen Dingen auch für die Kunden.

Aber es wird gegengesteuert. Menschen, die das Unternehmen mit viel Aufwand und Geld verlassen haben bzw. noch verlassen werden, werden nachbesetzt. 20 000 Neueinstellungen in mehr als 45 Berufen werden für das Unternehmen gesucht. Aber da ist Lufthansa nicht allein. Die ganze Branche sucht und die Bewerber können wählen. Also muss an der Attraktivität des Unternehmens gearbeitet werden. Der Name Lufthansa alleine reicht nicht aus. Was ist wirklich wichtig, um für Mitarbeiter anziehend zu sein? Vertrauen, Respekt und Toleranz sind Werte, die in einem Unternehmen gelebt werden müssen.

Das fängt schon im Umgang bei den Konzernteilen miteinander an. Eine Lufthansa bedient sich an LHT-Mitarbeitern, nachdem das ja laut „Projekt“ nicht möglich war und die Technik darf nach neuen Mitarbeitern suchen, die sie anlernen muss. In München verschiebt man die Technik-Mitarbeiter, gibt ein paar Kunden der Technik auf, um dann die DLH-Flotte und ein paar strategisch wichtige Kunden der LHT zu bearbeiten um‘s allen schmackhaft zu machen. Außerdem wird die Lufthansa Technik zum Teilverkauf angeboten – oder was auch immer dabei herauskommt. In der Zwischenzeit übernimmt die Lufthansa noch mehr Arbeiten der LHT, und ich frage mich, wann die für den Flugbetrieb notwendigen LHT Betriebsteile ebenfalls zur LHA übergehen werden. Weitere Betriebsübergänge werden wohl folgen. Nicht zu vergessen die „letzten Reste der LSG“ und Airplus, für die ein Investor gesucht wird. Ich rede hier zwar von Unternehmen, aber die werden getragen von Menschen, ihren Mitarbeitenden, die vor den Kopf gestoßen werden. Diejenigen, die diese Ideen ,entwickeln, würden die das wollen? Wahrscheinlich fehlt die notwenige Empathie.

Herr Spohr spricht von Dankbarkeit, fairer Umgangskultur, usw. Jeder Mitarbeiter macht seine Arbeit und erhält am Monatsende ein Salär. Je nach „Höherwertigkeit“ der Tätigkeit fällt es höher aus. Es wird also bei einem Vorstandsvorsitzenden entsprechend der Aufgaben angepasst sein. Aus meiner Sicht haben alle Menschen während der Pandemie und nach dem Neustart im Chaos mehr als das, was sie sollten geleistet und das haben sie, weil es ihnen um ihre Lufthansa ging. Sonst hätte noch viel weniger funktioniert. Der Dank gebührt allen Mitarbeitenden und ein „Danke“ oder „gut gemacht“ sollte an vielen Stellen einfach nur ernst gemeint ausgesprochen werden. Lob beflügelt.

Die geplante Flottenerneuerung findet langsamer als angedacht statt. Die 777X sollte schon längst da sein und die Langstreckenflotte im Austausch verjüngen. Zur Auslieferung sind es schon 5 Jahre Verzögerung und eine Übergabe scheint vor Ende 2024 nicht in Sicht. Die „eigentlich“ für immer geparkten A340-600 und auch die A380 werden teilweise zurückgeholt. Ich denke, das war uns irgendwie allen schon klar, denn „Totgesagte leben nun mal länger“. Aber das ist wie bei so vielen Dingen. Raus aus den Kartoffeln, rein in die Kartoffeln. Das alles mit einem Riesenaufwand an Arbeitskraft, Know How und finanziellen Mitteln. Sichert immerhin Beschäftigung.

Der Osthafen, d.h. die Räder- und Bremsenwerkstatt soll zum 31.12.22 geschlossen werden. Alle dort Beschäftigten haben eine Stelle in der Sitzwerkstatt, der R&S Werkstatt, der Triebwerkswerkstatt und Werkstätten in Hamburg gefunden. Damit geht das Jahr für diese Kolleginnen und Kollegen ruhiger zu Ende als das letzte Jahr.

Aber es gibt auch Neues: die ersten beiden 787-9 sind da und die erste D-ABPA fliegt nun, nachdem sie zu Beginn innerdeutsch unterwegs war, Langstrecke. Die Zweite D-ABPD wird gerade nach LH Standard aufgerüstet. Die LH-Cargo steht auch dieses Jahr wieder vor einem Rekordgewinn. In der Lufthansa Technik sind Nachfragen nach Wartungsleistung hoch. Das Unternehmen hat eine positive Gewinnwarnung ausgesprochen, da nicht die erwarteten 0,5 Mrd sondern 1Mrd Gewinn erwartet werden. Für das neue Jahr sind die Aussichten erst einmal gar nicht so schlecht.

Und noch etwas findet im Jahr 2023 statt. Die Aufsichtsratswahl für den Lufthansa Konzern im März. Mit Kollegen und Kolleginnen der VL als Kandidaten auf der ver.di Liste und einer gemeinsamen Delegiertenliste ver.di/Vereinigung Luftfahrt bei FRA DLH und LHT treten wir mit unserem Kooperationspartner an. Die Delegiertenwahlen finden zwischen 24.01 und 14.02.2023 statt.

Zum Weihnachtsfest und Jahreswechsel wünsche ich Ihnen viele entspannte Augenblicke und Freude im Kreis Ihrer Familien und uns allen einen schwungvollen Start ins neue Jahr.

Bleiben Sie gesund!


Vorwort VL Magazin Dezember 2022 Autor: Anke Heß

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