Umfangreiches Ergebnis erzielt - Jetzt entscheiden die ver.di Mitglieder
Euer Druck der vergangenen Wochen und eure hohe Beteiligung beim Streikvotum haben gewirkt: Angesichts der bevorstehenden Osterferien hat die Arbeitgeberseite ihre Blockadehaltung in der 4. Verhandlungsrunde nach insgesamt über 30 Stunden Verhandlungen aufgegeben. Bis in die Nacht haben wir miteinander hart gerungen, einen zweiten Verhandlungstag kurzfristig eingelegt und immer wieder klar gemacht, dass ohne ein Ergebnis in dieser Verhandlungsrunde eine Eskalation folgt.
Scheinbar wollte der Konzern - trotz aller aktuellen weltpolitischen Widrigkeiten - diese Auseinandersetzung mit dem Boden vermeiden. Über die letzten Wochen musste die Arbeitgeberseite einsehen, dass sie den Zusammenhalt am Boden nicht brechen konnte. Das hat das Verbindliche Streikvotum nochmal unterstrichen. Zu groß war möglicherweise die Sorge auf der anderen Seite, dass wir als Beschäftigte unsere Macht auf die Straße bringen und es nochmal zu einem hohen Streikschaden, wie in 2024, kommen könnte.
Euer Rückhalt, die inzwischen hohe Anzahl an ver.di Mitgliedern am Boden und das, was ihr die vergangenen Monate gemeinsam aufgebaut habt, hat euch zu folgendem Angebot gebracht:
• Rückwirkende Erhöhung der Vergütungen zum 1.1.26 um 2,2 Prozent (außer DLH, LGBS).
• Erhöhung der Vergütungen zum 1.1.27 um 2,2 Prozent bei DLH & LGBS.
• Weitere Erhöhung der Vergütungen zum 1.3.27 um 2,4 Prozent (alle).
• Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 50 Euro zum 1.1.26 und um weitere 50 Euro zum 1.1.27.
• Ein zusätzlicher freier Tag pro Jahr (2026, 2027, 2028) für ver.di Mitglieder.
• Verhandlungsverpflichtung zu weiteren Vergütungserhöhungen bei höherer Inflation sowie eine Verhandlungsverpflichtung für den Krisenfall zur Sicherung von Arbeitsplätzen in Anbetracht der aktuellen Weltlage.
• Verbesserung der Vergütungsentwicklung in den Vergütungsgruppen 4D/L/N2.
• Schlichtungsvereinbarung für nächste Tarifrunde, ohne an Ergebnis gebunden zu sein.
• Laufzeit bis 29.02.2028.
Darüber hinaus wurden folgende wichtige Forderungen der einzelnen Unternehmen / Geschäftsfeldern durchgesetzt:
Deutsche Lufthansa AG
• Achtjähriger, umfangreicher Ausgliederungsschutz für die heutigen operativen Stationsbeschäftigten in FRA und MUC.
• Aufwertung der technischen Tätigkeiten bei L/T rückwirkend zum 1.1.26 durch Muster- und Motorenzulagen, Ausweitung und Erhöhung von Zulagen, Einführung neuer Zulagen und Erweiterung der Karrieremöglichkeiten.
• Erhöhung und Dynamisierung der N2-Funktionszulage.
• Fortführung der Teammanager- & Verkehrsleiterzulage bis zum 29.2.28.
• Fortführung der freiwilligen Arbeitszeiterhöhung (40 h) bis zum 29.2.28.
Lufthansa Technik AG
• Einführung eines neuen Tarifvertrages Vergütungssystem (TVVS) mit zahlreichen Verbesserungen, Aufwertung der produktiven Tätigkeiten für ALLE Kolleg*innen, keine Absenkung der Endwerte in Produktion & Administration.
• Schnellere Vergütungsentwicklung in der Produktion durch Produktionszulage (zusätzliche +5% für alle bis zum Endwert).
Lufthansa Cargo
• In der 2. Tarifschiene werden die Vergütungen deutlich stärker angehoben. Rückwirkend zum 1.1.2026 werden die Vergütungen erst um 150 Euro angehoben und im nächsten Moment nochmals um die konzernweiten 2,2 Prozent gesteigert.
Lufthansa Systems
• Die LSY verbleibt im Vergütungstarifvertrag der Lufthansa Technik.
• Beendigung der Praxis, dass es keinerlei Steigerung in der VG 4D geben kann.
LEOS
• Die LEOS bleibt Teil des Lufthansa-Tarifvertrages. Um das zu unterstreichen, werden beide Tarifpartner die LEOS ins Geschäftsfeld Lufthansa Boden überführen.
Auszubildende
• Verbesserung der Übernahmeregelung.
• Erhöhung der Erschwerniszuschläge bei der LHT.
• Höhere Einstiegsvergütungen nach der Ausbildung bei der Lufthansa Technik.
Detailliertere Infos zu den jeweiligen Ergebnissen könnt ihr den folgenden, einzelnen ver.di Infos entnehmen.
Bewertung der Konzerntarifkommission
Mit diesem Tarifergebnis ist es trotz aller Widerstände der Arbeitgeberseite und der zuletzt zunehmenden wirtschaftlichen Unsicherheiten durch den Iran-Krieg gelungen, dass alle Kolleginnen und Kollegen im Konzern die gleiche nachhaltige Vergütungserhöhung erhalten. Ein wichtiger Punkt, denn schließlich wollte die Arbeitgeberseite bis zuletzt bei der DLH keinerlei nachhaltige Vergütungserhöhung anbieten.
Mit den erzielten nachhaltigen Vergütungserhöhungen liegen wir leicht über den Inflationsprognosen. Sollte es dennoch zu deutlich höheren Preissteigerungsraten kommen, so haben sich beide Seiten zu Verhandlungen über weitere Vergütungserhöhungen verpflichtet.
Dazu werden die Einkommen über die verschiedenen Sonderforderungen zusätzlich gesteigert (L/TZulagen, LHT Produktionszulage, LHT Zulagen, Sockelbetrag LCAG 2. Tarifschiene, Rückgewinnung der LTLS-Leistungszulage, etc.). Hier wird das Tarifergebnis zu einem Reallohnzuwachs führen.
Einmalzahlungen, die Streichung der Schichtzulage und andere Angriffe haben wir gemeinsam abgewehrt.
Der Vergleich mit anderen Beschäftigtengruppen im Konzern zeigt: Nicht das Cockpit, sondern der Boden ist führend bei der Vergütungsentwicklung seit Corona. Ein Ergebnis der neuen gewerkschaftlichen Stärke und des Zusammenhaltes des Bodens seit der vergangenen Tarifrunde, worauf wir gemeinsam stolz sein können.
Doch in dieser Tarifrunde ging es nicht nur um die Kernforderung nach mehr Vergütung in der Tabelle. Denn es gab eine Reihe an Sonderforderungen von Stationsschutz über Aufwertung der technischen Tätigkeiten bis hin zur Aufwertung der 2. Cargo-Tarifschiene oder der Absicherung der Leistungszulage bei der LTLS. Und diese Ergebnisse können sich aus unserer Sicht wirklich sehen lassen.
Zwar sind wir an manchen Stellen (z.B. 2. Tarifschiene oder L/T-Zulagen) noch nicht da, wo wir sein wollen, aber es gibt einen Aufbruch. Die nächsten Tarifrunden können wir gemeinsam nutzen, um den Aufbruch und die Aufwertung fortzusetzen.
Vor diesen Hintergründen empfehlen wir euch als Konzerntarifkommission die Annahme des Verhandlungsergebnisses.
Jetzt sind die ver.di Mitglieder am Zug
Ganz klar: Ohne eure Zustimmung gibt es keinen Tarifabschluss. Ab kommender Woche sind alle ver.di Mitglieder dazu aufgerufen, sich an der Online-ver.di Mitgliederbefragung zum Tarifergebnis zu beteiligen. Weitere Infos dazu folgen in Kürze.
Eure Fragen
Unter folgendem Link https://verdi-b.typeform.com/LH-FAQ könnt ihr uns eure Fragen zum Tarifergebnis bis zum 29.03.26 einreichen. Wir werden die Fragen dann in einem FAQ beantworten.